Münster bohrt in Handorf für das nächste kalte Nahwärmenetz

Die Stadtwerke Münster haben an der Kötterstraße im Stadtteil Handorf mit einer Erkundungsbohrung für oberflächennahe Geothermie begonnen, berichtete ThinkGeoEnergy am 4. November. Die Bohrung soll rund 300 Meter tief werden und zeigen, mit welchen Temperaturen und Bodenschichten der Versorger rechnen kann, bevor er dort ein künftiges „kaltes“ Nahwärmenetz plant.

Wie die bisherigen Netze arbeiten

Münster hat das schon gemacht. Im Neubaugebiet Kirschgarten wurden 39 Bohrungen auf 250 Meter in drei Sondenfeldern niedergebracht. Die Wärme kommt mit niedriger Temperatur aus dem Boden, Sole-Wasser-Wärmepumpen heben sie auf Heiztemperatur, bevor sie die Häuser erreicht. An heißen Tagen liefert derselbe Erdkreis passive Kühlung. Ein ähnliches System entstand zuvor in Albachten-Ost.

Die Stadt schaut auch tiefer. Eine abgeschlossene seismische Erkundung hat den Untergrund bis 6.000 Meter abgebildet; erste Pläne sehen bis 2028 Bohrungen auf 900 bis 1.500 Meter vor. Der Geologische Dienst NRW plant im Rahmen des Masterplans Geothermie eine eigene Forschungsbohrung in Münster.

Niedrige Temperaturen, mehr Wärmeübertrager

Ein kaltes Netz dreht das übliche Bild der Fernwärme um. Die Leitungen führen Wasser nahe der Bodentemperatur, und jedes Gebäude hebt es mit der eigenen Wärmepumpe an. Statt einer großen Anlage gibt es viele kleine Übertragungsstellen: die Erdsonden, den Solekreis, die Wärmepumpe und die Trennung zum Heizwasser des Gebäudes, oft über einen Plattenwärmeübertrager, wo die Sole nicht ins Gebäudesystem gelangen darf.

Bei so kleinen Temperaturdifferenzen kosten Verschmutzung und Luft im Kreislauf mehr als in einem heißen Netz. Filter, Entlüftung und Zugang zur Reinigung gehören vom ersten Tag an in die Planung.

Quellen: ThinkGeoEnergy

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